Im März 2014 gewinnt DIE EISKÖNIGIN – VÖLLIG UNVERFROREN zwei Oscars in den Kategorien „Bester Animationsfilm“ und „Bester Filmsong“ mit „Let it go“!

Unser Redakteur Kevin Clarke hätte „Let it go“ nicht prämiert.
Zur Erinnerung hier seine Rezension zum Deutschen Kinostart im November.

Ein tiefgefrorenes Musical von Disney

Da ist es also, das neue Disney-Filmmusical, das am 28. November in den deutschen Kinos startet. Das Interessante daran ist nicht nur, dass die Dreamboys im Film, Kristoff und Hans, wirklich extrem lecker aussehen, so als wollte Disney beweisen, dass man nicht nur bei Glee im Fernsehen so attraktive männliche Teenager bestaunen kann. Auch die Tatsache, dass Robert Lopez die Musik geschrieben hat, dürfte Fans des modernen Musicals aufhorchen lassen. Zur Erinnerung: Lopez ist der Komponist von Avenue Q und Book of Mormon. Beides absolute Ausnahme-Musicals, die weltweit für Furore sorgten. Statt mit einem der Partner-Teams zu arbeiten, mit denen er diese beiden Stücke schuf, arbeitet Lopez bei der Eiskönigin mit seiner Ehefrau Kristen Anderson-Lopez zusammen.
Das Resultat ist: erschreckend banal. Zumindest klingt es in der deutschen Fassung so. Die Musik plätschert wie Kaufhaus- oder Fahrstuhlmusik vor sich hin, kein Song hat wirkliche Hit-Qualität und kein Text wartet mit einem echt brillanten Inhalt auf. Das ist schade, denn ich persönlich hätte von Lopez erwartet, dass er die Gelegenheit einer Disney-Großproduktion nutzt, um wieder eine clevere, herausragende oder sonst wie ‚besondere‘ Partitur zu schreiben. Vielleicht braucht er mehr Imput von Seiten des Textdichters, als er von seiner Ehefrau bekommen hat?

Denn der optisch wirklich schöne Film (sieht man davon ab, dass die Frauen aussehen wie Barbie-Puppen) hätte mit einem packenden Soundtrack eine ganz andere Gesamtwirkung erzielt, einen Sog entfacht, der einen als Zuschauer emotional stärker ins Geschehen hineinziehen würde. Nur so zum Beispiel: Die Geschichte spielt in Norwegen, aber Lopez bzw. Christophe Beck als Komponist des Rest-Soundtracks verweigern jeden Hauch von musikalischem Lokalkolorit. Vergleicht man ihre Musik mit der des Musical-Klassikers Song of Norway fällt schnell auf, was für Möglichkeiten hier ungenutzt blieben.

So plätschern immerhin 32 Songtitel an einem vorbei. Am Prägnantesten bleibt der Auftritt des Rentiers Sven und natürlich der des Schneemanns Olaf, dem Hape Kerkeling seine Stimme in der deutschen Fassung leiht – großartig! Dass er keine besseren Lieder zu singen bekommt, liegt bestimmt nicht an Kerkeling. Mit anderen Worten: als Film ist die Eiskönigin absolut sehenswert, als Musical nur begrenzt. Trotzdem wird Frozen – wie der Film im Original heißt – sicher über kurz oder lang ebenfalls den Weg auf die Bühne finde, wie demnächst Disneys Aladdin am Broadway. Nimmt man dessen Songs von Alan Menken als Maßstab, dann hinkt die Eiskönigin leider meilenweit hinterher.